Eine neue Organisation befindet sich in der Gründungsphase.
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Die am 23. März 2011 in Berlin gegründete europäische Organisation "European DeafUniversity" (DeafUni) hat unter der Führung von Dr. Ingo Barth ihre langfristigen Ziele abgesteckt. Als Vorbild für die Errichtung einer europäischen Universität dient die US-amerikanische Gallaudet-Universität. Innerhalb von 10 Jahren soll eine europäische private oder staatliche Universität für Studierende mit Gebärdensprachkompetenz entstehen. Aus ganz Europa, von Lissabon bis Moskau, von Hammerfest bis Valletta, aber auch aus anderen außereuropäischen Ländern, kommen Studierende und Lehrende, die die erste "European DeafUniversity" mit Leben erfüllen. Wesentliches Merkmal der neuen Hochschule: Der Unterricht, alle Vorlesungen, Seminare und Übungen finden vor allem in europäischenGebärdensprachen und in internationalen Gebärden statt. Die Organisation ist grundsätzlich für jeden europäischen Standort der DeafUni offen.
Die Initiative baut auf aktuellen Reformen auf:
- staatliche, indirekte Anerkennung der meisten europäischen Gebärdensprachen, durch die rechtliche Anerkennung auf Dolmetschen und spezielle Ausbildungen für Taube
- Recht auf Inklusion durch die von vielen europäischen Ländern anerkannte und ratifizierte UN-Behinderten-rechtskonvention von 2008
- Aufhebung der Beschlüsse des Mailänder Kongresses von 1880 durch die internationale Konferenz zur Bildung und Erziehung Gehörloser (ICED) 2010 in Vancouver
Damit sind die europäischen Länder aufgerufen, endlich umfassende Hochschulbildung für Taube in ihrer Sprache, der Gebärdensprache zu akzeptieren und zu ermöglichen.
Zielgruppe der neuen europäischen DeafUni sind nicht nur alle Tauben und andere Hörgeschädigte, sondern auch alle Hörenden. Denjenigen, die sich in der Kultur der Tauben noch nicht auskennen und die Gebärdensprache noch nicht beherrschen, werden vor dem Studienstart diverse Intensivkurse in einem Vorbereitungsjahr angeboten. Das gilt auch für Taube, beispielsweise durch das Erlernen einer zusätzlichen europäischen Gebärdensprache und durch das Füllen ihrer schulischen Wissenslücken.
Die Organisation wird ein neues Inklusionskonzept entwickeln, dass sowohl den einzigartigen Bedürfnissen der Tauben gerecht wird als auch den Zugang der Hörenden zur visuellen Gebärdensprachwelt und zur Kultur der Tauben möglich macht. Inklusion ist die Basis der DeafUni. Sie ist kein Ghetto für Taube, vielmehr baut sie die bestehenden Angebote der anderen "normalen" Universitäten und Institute im Sinne der Inklusion weiter aus: Zum Beispiel durch den Einsatz von an der DeafUni ausgebildeten gebärdensprachkompetenten Dozenten und Gebärdensprachdolmetschern. Die Zusammenarbeit mit diesen Einrichtungen ist erwünscht. Das Gesamtkonzept wird darüber hinaus spezifische inhaltlichen Interessen, innovative didaktische Konzepte und die Anforderungen des gelingenden Lebens in modernen Gesellschaften bei der Entwicklung der Studiengänge der DeafUni sowie bei der Wahl des Standortes der DeafUni berücksichtigen. Daher soll das Konzept aus der Mitte der Taubengemeinschaft heraus und in europäischer Kooperation (z.B. European Union of the Deaf (EUD), European Union of the Deaf Youth (EUDY), DeafAcademics, usw.) entstehen.
Weitere mögliche Ziele und Aufgaben der neuen Organisation sind
- Organisation von regelmäßig wiederkehrenden europäischen Veranstaltungen wie Konferenzen und Sommerakademien
- Durchführung von projektbezogenen Seminaren und Kursen der europäischen Gebärdensprachen
- Sammlung und Dokumentation von Fachgebärden zur Vorbereitung für den Lehrbetrieb in der DeafUni
- Aufbau und Stärkung des europäischen Netzwerks für taube Studenten, Dozenten, Doktoren und Wissenschaftler
Vorgesehen ist zudem die Gründung einer Stiftung als Träger dieser Aktivitäten. Über jede Unterstützung von Ihnen würde sich das Team der DeafUni sehr freuen.
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